«Man sollte nie seine beste Hose anziehen, wenn man für Freiheit und Wahrheit kämpft.»

 

Doktor Stockmann ist Badearzt in einer kleinen Stadt. Das vor ein paar Jahren gebaute Heilbad war seine Idee, nun ist es die Quelle des neuen Wohlstands der ganzen Region. Eines Tages macht Stockmann eine brisante Entdeckung: Das angeblich so klare Badewasser ist mit gesundheitsschädigenden Verschmutzungen verseucht.

 

Durch sein Engagement hat Stockmann bald die ganze Stadt gegen sich, denn das Problem ist so leicht nicht zu beheben und keiner möchte die lukrative Einnahmequelle verlieren. Er isoliert sich immer mehr, aus seinen anfangs vernünftigen Warnungen werden radikale Positionen. Stockmanns Gegner machen eine Versammlung, die er zur Offenlegung der Missstände organisiert hat, zum Tribunal gegen ihn. Der vom Glauben an wissenschaftliche Objektivität beseelte Arzt wird zum scheinbaren Fanatiker gemacht, zum wütenden «Feind des Volkes».

 

Ibsens rund 130jährige Geschichte über die Vertuschung des verschmutzten Badewassers legt ein Dilemma moderner Demokratie offen, das in der Schweiz beispielsweise in der Debatte über das Bankgeheimnis seine Wiederholung findet: Wie viel lassen wir uns unsere ach so hehren Werte kosten? Wo bleiben Engagement und Zivilcourage, wenn es gilt, trotz der schlechten Finanzlage auf

zu behebende Missstände aufmerksam zu machen? Wie viel gilt die eigene Meinung, wenn sie vom Tenor der Mehrheit abweicht?

 

Henrik Ibsen wurde 1825 in Norwegen geboren und verbrachte fast 30 Jahre im selbstgewählten Exil, u.a. in Rom, Dresden und München. Erst 1866 gelingt ihm der literarische Durchbruch und er ist, zusammen mit seiner Familie, zum ersten Mal finanziell gesichert. Ibsen gilt als genauer Menschenbeobachter und als Wegbereiter des modernen Dramas. Seine kritischen Gesellschaftsdramen waren bahnbrechend für den Naturalismus auf der Bühne.

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