«Unser wirkliches Leben ist oft ein Leben, das wir gar nicht führen.»

Was tun, wenn man keine Lust hat auf den Ernst des Lebens? Man isst noch ein Gurkensandwich. Man kämmt sich noch einmal die Haare. Oder man erschafft sich selbst einen Doppelgänger. John Worthing erfindet seinen Bruder Ernst, Algernon Moncrieff den todkranken Freund Bunbury. Diese erdachten Schattenexistenzen ihrer selbst verlangen immer dann nach einem Besuch, wenn es John und Algernon im Alltag zu langweilig wird.
In der Lügnerkomödie «Bunbury» befasst sich Oscar Wilde mit der Zerstückelung des Menschen in verschiedene Rollen und mit dem Missverhältnis zwischen Schein und Sein. In spritzigem Plauderton und eleganter Formulierung drückt das «Genie des Bonmots» seine Verachtung gegenüber allen gesellschaftlichen Konventionen aus.

«In Sachen von grosser Wichtigkeit ist Stil, nicht Aufrichtigkeit das Entscheidende.» – Oscar Wilde war ein Exzentriker. Als Dandy und Verfechter des Schönheitskults stellte er im London der 1880er Jahre das Gegenbild des bürgerlichen Konformismus dar. Der «geistreichste Plauderer, den es je gab» war ausgestattet mit dem scharfen Blick des Aussenseiters. Diese beiden Komponenten brachten Wilde grossen literarischen Ruhm ein, den er aber nur kurz geniessen konnte. 1895 wurde «Bunbury», von Wilde im Untertitel als «triviale Komödie für ernsthafte Leute» benannt, uraufgeführt. Wenig später warfen ihn die, deren Heuchelei er kritisiert hatte, wegen Homosexualität ins Gefängnis. Als er zwei Jahre später wieder freigelassen wurde, war Oscar Wilde ein gebrochener Mann.

 

 

 


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